WIEVIEL BEGRIFFSSTUTZIGKEIT WOLLEN WIR UNTER UNS RAUM GEBEN ?

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s-randale

https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2020-06/krawalle-stuttgart-ausschreitungen-pluenderungen-polizei-randale-innenstadt/komplettansicht

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Schlimm ist zuweilen viel in dieser Welt.  –   Und das weitaus meiste Schlimme hat mit menschlicher Gewalt zu tun.

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Aber Vorsicht mit wohlfeiler Empörung:

Übersehen wir vielleicht nur zu gern, dass viele, allzu viele Gesichter menschlicher Gewalt   – ich fürchte, es sind sogar die meisten –   sich bestens zu tarnen wissen . . . ?

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Jede/r kennt es von sich selbst:  wir sind nicht gerade selten auf Erzwingungskurs, wo sich andere unseren Wünschen und Vorstellungen verschließen (könnten).

Wir reden dann, vorsorglich, begleitend wie im Nachgang, lange lange von allerlei Unausweichlichkeiten, Bedrohungen gar, vom nun einmal nicht aufhaltbaren Gang der Welt, von Zusammenhalten und ´freiwilligem´ Mittun, weil es eben einmal nur so und nicht anders funktionieren könne, nur zu unserem Besten sei . . . und dergleichen mehr . . . !

Unser wohlverstandenes Eigeninteresse blenden wir dabei oft und oft gar vor uns selber aus  –  vor denen, die sich in unserem Sinne verhalten sollen, allemal . . .   Diese scheinbaren, geheuchelten bis selbst geglaubten Zwangssituationen:  wären sie etwa keine Gewalt ?

Wir wissen doch genau, wie sehr derartiges uns auf die Dauer beklemmt !

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Und wir alle kennen folglich auch das:  irgendwann halten wir das uns abverlangte Uns-Fügen und außer dem Fügen Für-nichts-Wichtig-Sein immer schwerer aus.

Dann irgendwann ´explodieren´ wir:   unser  Frust findet und nutzt   – ohne irgendeine Art von Instrumentalisiert-Werden auch nur zu argwöhnen –    jede sich bietende Abreaktionsmöglichkeit.

Das allzu lange in  uns aufgestaute Stück Wut bricht sich mehr oder minder unerwartet Bahn. Es hat, während wir uns zügeln  und irgenwohin ducken (lassen) mussten, nur auf eine Gelegenheit gewartet, das nächst Verfügbare so kraftvoll wie möglich zu zerstören, damit wir in das Gefühl zurückfinden, in uns gäbe es doch so etwas wie ein ´Potential´, das etwas aus- bzw. anzurichten vermöchte  . . .

Da ist dann das durch nichts zu tarnende (zuweilen aber (Vorsicht!) durchaus auch provokativ zu verkleidende) Gesicht der Gewalt, das zu bequemer Empörung Anlass gibt . . .  Explosionen laufen nun einmal nicht getarnt oder versteckt ab . . . (angezettelt aber u.U. wohl. . .)

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Dieses Gewaltgesicht  –  es trifft selbstredend die allenfalls indirekt oder auch überhaupt nicht Beteiligten . . . –  Unerträglich !  Durch nichts zu rechtfertigen !  Unbedingt wirksam zu unterbinden – mit der ganzen Härte des Gesetzes !

Also kann, ja ´muss´ verurteilt und angeprangert werden, gedroht und verfolgt  –  ein selbstredend als kriminell zu verortendes antistaatliches Ressentiment voller wachsender Gewaltbereitschaft gehört nun in den Focus aller, dergleichen werde sich unser Staat mit Sicherheit nicht bieten lassen . . . !

Das Übel, das die hier sich manifestierende Zerstörungswut darstelle, liege doch klar auf der Hand !

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Die Übel, denen sich solche Antistaatlichkeit und entsprechende Abreaktionsbereitschaft ggf. im Kern verdankten:  Spielraum- und Einkommens- bis Wohnungs- und Perspektiv-Verluste   –  diese Übel berechtigten (gäbe es diesen Anspruch, stünde er auf nichts als tönernen Füßen !)  niemals zu solcher Gewalt, sie erwüchsen nun einmal aus Krisen, deren Opfer man sei wie alle.  Immerhin wisse man  auf diese Krisen mit gut wirksamen Regelungen zu reagieren:  Schlimmeres sogar frühzeitig abgefangen zu haben, darauf könne man stolz sein !

Auch die am meisten jeweils Krisen-Gebeutelten hierzulande, dürften sich doch in ihrem Tun nicht völlig schräg animieren lassen durch etwa die Randalierereien in amerikanischen Städten:  die Menschen dort fänden ganz anders als hierzulande kaum staatliche Hilfen, die Polizei dort sei hochproblematisch strukturiert !

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Für Randale hier somit keinerlei Anlass  –  das Geschehene eindeutig verfolgungswürdiges kriminelles Verhalten, das sich nicht wiederholen dürfe !  –  Motiv: so etwas wie gesellschaftliche Desintegration, gegen die man sich etwas überlegen müsse, denn da sei so etwas wie entgleistes Denken im Spiel . . . –  ´Erziehung´ wie auch immer also geboten . . .

Und der offenbar zunehmend schrankenlos sich ausagierende Hass gegen Polizei und Hilfskräfte aller Art:  er sei denkbar ungerecht und unlogisch angesichts der Qualität des da geleisteten Einsatzes und folglich unverständlich !

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Und wieder trieft die Heuchelei aus den Dankadressen an die Polizeikräfte, die den Krawallen vom 21./22.6.20 in Stuttgart offenbar reichlich lange vergeblich Herr zu werden versuchten :

Denn die nicht gelingende rasche Beendigung der Ausschreitungen hatte ganz gewiss nicht allein mit dem Nicht-wirklich-Vorhersehbaren einer solchen nächtlichen Frust-Explosion zu tun.  Wenn am Ende mit ein paar Hundert Einsatzkräften gegenüber näherungsweise doppelt so vielen, allerdings offenbar nur im Kern aktiven Randalierern am Ende gerade mal 22 Festnahmen zustandekommen, dann muss wohl auch von einsatzstrategischen Defiziten auf Seiten  der offenbar nicht optimal zum Einsatz zu bringender  Polizeikräfte ausgegangen werden . . .

Aus den Bildern wie den Worten verschiedenster Offizieller wird deutlich:  der politische Apparat hat sich längst noch nicht selbst klar gemacht,  welche gesellschaftlichen Spannungen er mit seiner Art von Krisenbewältigungs-Politik seit Jahren produziert und angesichts der enormen Disruptivität der Maßnahmen der letzten Monate nur immer weiter auslösen wird !

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Den Polizeiapparat für die beeits laufenden Konfikt-Begegnungen und erst recht für die noch bevorstehenden weitblickend und weit mehr noch als verbal wertschätzend zu schulen:  das steht noch längst weder mental noch materiell hinreichend auf der politischen Agenda von Bund wie Ländern !

Was die Politik-Akteure der Republik ihren Ordnungskräften da bei schlechter Bezahlung und unzureichender strategischer Konditionierung abverlangen, ist mehr als heftig und versetzt diese Kräfte ihrerseits in unzählige Überforderungs-Spannungen !

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Das zeitigt auf allen Seiten unzulässige und unsinnige Opfer und provoziert Ablenkungs-Diskussionen, die immer fatalere Antistellungen triggern, . . .

. . . statt Systemkorrekturen ins Auge zu fassen, die zu neuen Funktionstüchtigkeiten und Verelendungs-Umkehrungen  – also Spannungsschwund –   führen könnten !!!

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Es sollte endlich in die Köpfe namentlich unserer Polit-Akteure:  Eindämmung verpasst Problemen nichts als kosmetische Tarnkappen !

Unsere Pranger sind reine Ablenkungs-Inszenierungen davon, dass selbst eine angeblich so gut funktionierende Gesellschaft wie die unsere immer nennenswertere Teilgruppen unterschiedlichen Zuschnitts in ganz verschiedene Formen nicht mehr wirklich einholbaren Dissenses hinein verliert, denen mit der üblichen Verurteilungs-Verächtlchkeit ganz sicher nicht beizukommen ist !

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Erschreckend eingefroren nämlich wirken die Denkbahnen, auf denen die gesamte Polit- und gesettlete Medien- Farbskale ihre Statements formulieren . . .

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Die Frage, wie um Himmels willen uns ein Abdriften  von erstaunlich umfänglichen Mitbürger/innen-Gruppen aus den bisherigen Konsensen passieren konnte, wodurch wir alle daran mitgewirkt haben und weiter mitwirken, dass unser wechselseitiges Einander-Begreifen uns Tag für Tag mehr zwischen den Fingern zerrinnt  –  diese Frage höre ich von keiner halbwegs einflussreichen Stelle !

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Auf diese Frage aber kommt es an !

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Unsere Selbstgefälligkeits- und Entschlossenheits-Rituale sind Maske! 

Wir wissen das im Grunde unserer Herzen alle.

Uns selbst und möglichst viele um uns herum glauben zu machen, unsere Wege seien gleichwohl und immerhin oberflächlich sichtbar die Richtigen:   dafür fände sich noch immer Anlass genug . . . –  das funktioniert allenfalls brüchig !

Und gegen ´das Falsche´  brauche es eben ´Eindämmung´! . . .  – Deren Wirksamkeit:  reine Behauptung wie meist . . .

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Begreifen wir bitte:

Eindämmung wird nicht helfen .

Die Fortschreibung von gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Verfasstheiten, in denen wir uns je länger je mehr in allerlei Reduktionen dessen zurechtfinden sollen, was uns mit der staunenswerten Fülle menschlicher Begabungen eigentlich geschenkt ist, uns aber immer weniger erreich- und spürbar wird angesichts der Mantren, die man uns zu unserer Fesselung offeriert:  

–  diese Fortschreibung schürt unsere blindlings nach Ausbruchsmöglichkeiten suchenden Aggressions-Potentiale in schmerzhaft unsinnigem Maße . . . !

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Besinnen wir uns doch endlich wieder auf unser aller immenses Beschenktsein . . .

. . .  und beratschlagen in neuem Vertrauen auf diese Kräfte gemeinsam, wie wir abschütteln könnten, was unser Menschsein inzwischen so beschneidet, dass Gewalt rund um den Erdball die dominanteste und exponentiellst wirksame unserer Phantasien ausmacht . .. . 

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–  und das, weiß Gott, nicht allein u.a. im Rahmen irgendwelcher Krawall-Exzesse oder Hate-Post-Wellen in den ´sozialen´ Medien, . . .

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–  sondern weit mehr etwa in den rund 2000 Mrd. Rüstungsaufwendungen jährlich (!), die unsere Entscheider uns weltweit abverlangen und die wir meistenteils auch noch für unabänderlich halten, . . .

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–  nicht anders als in den ´Zielvereinbarungs- und Outsourcing-Ritualen´ der Anordnungs-Hierarchien in der Hand von ´Exekutiv-Offizieren´  (!!) (CEOs)  in unseren Unternehmen  –  gemäß den angeblich unausweichlich fortschritt-schaffenden Konkurrenz-Mantren, . . .

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–  und insgesamt einem immer umfassender durchgedrückten Systemgefüge mit nie gekannter planetarer Aussaugungswirkung zugunsten einer Handvoll Reicher und automatisch die oberen Taschen füllender Vermögens-Strukturgefüge auf Basis selbsttätiger Algorithmen. . .

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– – –   oder . . .  oder . . . oder . . .

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Ohne eine immer breitere Bereitschaft zu ganz grundlegenden Weg-Korrekturen wird uns noch ganz anderes um die Ohren fliegen als die Sonnwenden-Krawalle à la Stuttgart Samstag Nacht . . . !

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Entwickeln wir diese Bereitschaft nicht im Zorn, nicht aus Verächtlichkeiten heraus  –  und auch nicht in der Vorstellung, Rechenschaftspflichten und Bestrafungen  durchsetzen zu sollen gegenüber denen, deren Entscheidungen vielen grundgesetzlich nicht länger hinnehmbar erscheinen . . .

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Entwickeln wir diese Bereitschaft im Vertrauen auf all die Kräfte in uns, die neu zu wecken und wechselseitig in Austausch zu bringen sich lohnte !

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Wagen wir gegen den Strich des ja doch immer bitterer Gewohnten zu denken und uns kühn aufs Eigentliche zu werfen, das sich uns dynamisch erschließen wird, sobald wir es offen dialogisch landesweit in kleinen bis großen Gruppen angehen und uns jenseits der bisherigen Regelungs-Gestrüppe auf ein paar zentrale neue gesellschaftsvertragliche Grundregeln verständigen  –  unter Beteiligung aller Dissenter, wie menschlich und rechtlich daneben ihre Entgleisungen auch immer gewesen sein mögen  –  etwa so:

MANIFEST BUERGERAUFBRUCH 2020   als PDF

 

Denn machen wir uns klar:  wo Menschen über Menschen Stäbe brechen, säen sie Unheil !

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