Leopoldina/ Dritte Ad-hoc-Stellungnahme: Coronavirus-Pandemie – Die Krise nachhaltig überwinden

 

Kommentar gw /  P H Ä N O M E N A L E    ´E X P E R T E N – H O R I Z O N T E ´   !!!

.((Text mit Hervorhebungen unten !)

26 Fachleute plus ein Redaktionsteam von weiteren 8 Leuten produzieren im 3-Wochen-Abstand nun die dritten 17 z.T. wiederholungs-gefüllte Seiten mit längst allseits gekauten Leerformeln !

Nahezu einzig wichtige Feststellung:

die symptomatische, statt substantielleDatenerfassungs-Basis des RKI und der Politik –  absolut zentrale Defizite in der Sachinformations-Lage  als Maßnahmen-Basis  !!

vgl. auch u.a. :  Verweis auf yt:   Lanz – neue Streeck Erkenntnisse

. . .  zu fragen wäre drängend nach den Kostenfaktoren solch qualitätsträchtiger politischer Auftrags-Arbeit !!

 

lah

.

Dritte Ad-hoc-Stellungnahme:Coronavirus-Pandemie – Die Krise nachhaltig überwinden13. April 2020

mit Hervorhebungen gw /

 

 

– 1 – InhaltZusammenfassung und Empfehlungen …………………………………………………………………………………………… 2 1. Einleitung …………………………………………………………………………………………………………………………….. 4 2. Entscheidungsgrundlagen mit Daten und Modellen optimieren …………………………………………………. 5 3. Risikokommunikation verbessern und verantwortliches individuelles Verhalten fördern………………. 7 4. Psychische und soziale Folgen der Krise abfedern …………………………………………………………………….. 9 5. Abwägungs- und Entscheidungsprozesse transparent gestalten ……………………………………………….. 10 6. Bildungsbereiche schrittweise öffnen ……………………………………………………………………………………. 13 7. Mit nachhaltigen ökonomischen Maßnahmen die Krise überwinden ………………………………………… 14 Mitglieder der Arbeitsgruppe ………………………………………………………………………………………………………. 18

– 2 – Zusammenfassung und Empfehlungen

Die Ausbreitung des SARS-CoV-2 -V irus hat inzwischen auf alle Bereiche unserer Gesellschaft massive Aus-wirkungen. Angesichts der daraus resultierenden enormen Unsicherheit kommt der Wissenschaft eine große Verantwortung zu. Sie muss auf der Basis aller verfügbaren Erkenntnisse und der ständig aktualisier-ten Datenlage eine hochdynamische Situation analysieren und Handlungsempfehlungen geben. Diese Stel-lungnahme der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina setzt sich mit psychologischen, sozia-len, rechtlichen, pädagogischen und wirtschaftlichen Aspekten der Pandemie auseinander und kommt zu folgenden zentralen Empfehlungen:

Entscheidungsgrundlage optimieren: Die bisher stark symptomgeleiteten Datenerhebungen führen zu ei-ner verzerrten Wahrnehmung des Infektionsgeschehens. Es ist daher wichtig, die Erhebung des Infektions- und Immunitätsstatus der Bevölkerung substantiell zu verbessern, insbesondere durch repräsentative und regionale Erhebung des Infektions- und Immunitätsstatus. Die so gewonnenen Daten sollen in Echtzeit indie laufenden Anpassungen dynamischer Modelleeinfließen und so verlässlichere Kurzzeitprognosen er-möglichen. Diese können zur Entscheidungsunterstützung herangezogen werden und die Wirksamkeit poli-tischer Maßnahmen überprüfbar machen. Dabei sollte die Nutzung von freiwillig bereitgestellten GPS-Da-ten in Kombination mit Contact-Tracing, wie dies beispielsweise in Südkorea der Fall ist, möglich sein. Dies würde die Präzision heute verfügbarer Modelle steigern, um insbesondere eine kontextabhängige, örtliche Auflösung und damit eine differenzierte Vorhersage des Pandemieverlaufs zu erlauben.

Differenzierte Einschätzung der Risiken ermöglichen: Für den gesellschaftlichen und individuellen Umgang mit der Corona-Pandemie ist eine kontextbezogene Einordnung der verfügbaren Daten wichtig. Daten zu schweren Krankheitsverläufen und Todesfallzahlen müssen in Relation zu denen anderer Erkrankungen ge-setzt und auf das zu erwartende Sterberisiko in einzelnen Altersgruppen bezogen werden. Eine realistische Darstellung des individuellen Risikos mussanschaulich verdeutlicht werden. Dies gilt ebenso für systemi-sche Risiken wie eine Überlastung des Gesundheitssystems sowie für negative Folgen in Wirtschaft und Ge-sellschaft. Nur so wird sich die Kooperation der Bevölkerung bei der Umsetzung der erforderlichen Maß-nahmen sicherstellen lassen.

Psychologische und soziale Auswirkungen abfedern: Für die Akzeptanz und Umsetzung getroffenerMaß-nahmen ist eine auf Selbstschutz und Solidarität basierende intrinsische Motivation wichtiger als die Andro-hung von Sanktionen. Die Vermittlung eines realistischen Zeitplans und eines klaren Maßnahmenpakets zur schrittweisen Normalisierungerhöhen die Kontrollier- und Planbarkeit für alle. Dies hilft, negative psychi-sche und körperliche Auswirkungen der aktuellen Belastungen zu minimieren. Hilfs- und Unterstützungsan-gebote für Risikogruppen, die besonders unter den Folgen der derzeitigen Restriktionen leiden, wie Kinderin schwierigen Familienlagen oder Menschen, die häuslicher Gewalt ausgesetzt sind, müssen bereitgestelltwerden.

Vielfältige Perspektiven in die Abwägungsprozesse einbeziehen:Die staatlich verordneten Maßnahmen, die mit Blick auf die Pandemie den Schutz von Leben und Gesundheit bezwecken, ziehen Einschränkungen andererRechtsgüter nach sich. Diese dürfen bei der Verhältnismäßigkeitsprüfung nicht ausgeblendet, son-dern müssen in einer Gesamtabwägung mit betrachtet werden. Erst die Einbeziehung der nicht-intendier-ten Nebenfolgen macht die ganze Komplexität der Abwägung kollidierender Güter deutlich. Die aktuellen politischen Entscheidungen zur Bewältigung der Krise müssen die Mehrdimensionalität des Problems aner-kennen, die Perspektiven von unterschiedlich Betroffenen und unterschiedlich Gefährdeten berücksichti-gen sowie die jeweiligen Abwägungsprozesse offenlegen und entsprechend kommunizieren. So wäre etwa eine vorbeugende Segregation einzelner Bevölkerungsgruppen, beispielsweise älterer Menschen, allein zu deren eigenem Schutz als paternalistische Bevormundung abzulehnen.

Bildungsbereich schrittweise öffnen:Im Bildungsbereich hat die Krise zum massiven Rückgang der Betreu-ungs-, Lehr- und Lernleistungen sowie zur Verschärfung sozialer Ungleichheit geführt. Die Wiedereröffnung der Bildungseinrichtungen sollte daher sobald wie möglich erfolgen. Dabei müssen einerseits Bildungsein-schränkungen aufgehoben, andererseits die Risiken für erneute Ansteckungen minimiert werden. Da die Jüngeren im Bildungssystem mehr auf persönliche Betreuung, Anleitung und Unterstützung angewiesen

– 3 – sind, sollten zuerst Grundschulen und die Sekundarstufe I wieder schrittweise geöffnet werden. Die Mög-lichkeiten des Fernunterrichts, ob digital oder analog,können mit zunehmendem Alter besser genutzt wer-den. Deshalbist zu empfehlen, dass eine Rückkehr zum gewohnten Unterricht in höheren Stufen des Bil-dungssystems später erfolgen sollte. Unterschiedliche Übergangsformen und Verknüpfungen zwischen Prä-senzphasen und Unterricht auf Distanz mithilfe digitaler Medien sind denkbar. Wenn eben möglich, sollten Prüfungen durchgeführt werden. Insbesondere für Kinder mit Lernrückständen sind besondere Anstrengun-gen erforderlich, um Nachteile zu vermindern. Da kleinere Kinder sich nicht an die Distanzregeln und Schutzmaßnahmen halten können, gleichzeitig aber die Infektion weitergeben können, sollte der Betrieb in Kindertagesstätten nur sehr eingeschränkt wiederaufgenommen werden.

Öffentliches Leben schrittweise normalisieren:Das öffentliche Leben kann schrittweise unter folgenden Voraussetzungen wieder normalisiert werden: a) die Neuinfektionen stabilisieren sich auf niedrigem Ni-veau, b) es werden notwendige klinische Reservekapazitäten aufgebaut und die Versorgung der anderen Patienten wieder regulär aufgenommen, c) die bekanntenSchutzmaßnahmen (Hygienemaßnahmen, Mund-Nasen-Schutz, Distanzregeln, zunehmende Identifikation von Infizierten) werden diszipliniert eingehalten. So können zunächst zum Beispiel der Einzelhandel und das Gastgewerbe wieder öffnen sowie der allge-meine geschäftliche und behördliche Publikumsverkehr wiederaufgenommen werden.Darüber hinaus kön-nen dienstliche und private Reisen unter Beachtung der genannten Schutzmaßnahmen getätigt werden. Das Tragen von Mund-Nasen-Schutz sollteals zusätzliche Maßnahme in bestimmten Bereichen wie dem öffentlichen Personenverkehr Pflicht werden. In Abhängigkeit von der möglichen räumlichen Distanz und den Kontaktintensitäten der Beteiligten sollten gesellschaftliche, kulturelle und sportliche Veranstaltungen nach und nach wieder ermöglicht werden. Ein kontinuierliches Monitoring der Infektionszahlen ist notwen-dig.

Wirtschafts- und Finanzpolitik zur Stabilisierung nutzen: Während der derzeit geltenden gesundheitspoliti-schen Maßnahmen muss kurzfristig die Wirtschafts- und Finanzpolitik vor allem Hilfen zur Überbrückung der schwierigen Situation bereitstellen. Dazu gehören Kurzarbeit, Liquiditätshilfen, Steuerstundungen und Zuschüsse, um Insolvenzen zu reduzieren. Staatliche Beteiligungen sollten nur im äußersten Notfall zur Sta-bilisierung von Unternehmen eingesetzt werden. Mit dem Auslaufen der jetzigen gesundheitspolitischen Maßnahmen werden mittelfristig weitere expansive fiskalpolitische Impulse notwendig sein. Auf der Ein-nahmeseite könnten dies Steuererleichterungen sein, das Vorziehen der Teilentlastung des Solidaritätszu-schlags oder seine vollständige Abschaffung. Auf der Ausgabenseite sind zusätzliche Mittel für öffentliche Investitionen, etwa im Gesundheitswesen, der digitalen Infrastruktur und im Klimaschutz, wichtig. Die Krise erfordert im höchsten Maße ein europäisch-solidarisches Handeln. Eine gemeinschaftliche Krisenbekämp-fung umfasst beispielsweise die Gewährleistung der Liquidität durch die Europäische Zentralbank (EZB), fi-nanzielle Unterstützungen aus dem EU-Haushalt und der Europäischen Investitionsbank (EIB) sowie eine Kreditlinie mit auf die Pandemiefolgen fokussierter Konditionalität durch den Europäischen Stabilitätsme-chanismus (ESM).Weichen stellen für Nachhaltigkeit: Bereits bestehende globale Herausforderungen wie insbesondere derKlima- und Artenschutz verschwinden mit der Coronavirus-Krise nicht. Politische Maßnahmen sollten sich auf nationaler wie internationaler Ebene an den Prinzipen von ökologischer und sozialer Nachhaltigkeit, Zu-kunftsverträglichkeit und Resilienzgewinnung orientieren. Maßnahmen, die bereits vor der Coronavirus-Krise auf einer breiten wissenschaftlichen Evidenz und einem politisch-gesellschaftlichen Konsens beruh-ten, dürfen nicht abgeschwächt, sondern müssen weiterhin mit hoher Priorität umgesetzt oder sogar ver-stärkt werden. Wirtschaftliche Konjunkturprogramme sollten grundsätzlich mit den Zielen des europäi-schen „Green Deals“ vereinbar sein.

An einer marktwirtschaftlichen Wirtschaftsordnung festhalten: Die in der Krise getroffenen wirtschaftspo-litischen Maßnahmen müssen sobald wie möglich zugunsten eines nachhaltigen Wirtschaftens im Rahmen einer freiheitlichen Marktordnung rückgeführt oderangepasst werden. Dazu gehörender Rückzug aus Un-ternehmen, sofern krisenbedingt Beteiligungen stattfanden, und der Abbau der Staatsverschuldung. An der Schuldenbremse ist im Rahmen ihres derzeit geltenden Regelwerkes festzuhalten. Dies erlaubt, gerade in so besonderen Zeiten wie diesen, eine deutlich höhere Verschuldung,verlangt aber bei Rückkehr zur Nor-malität wieder deren Rückführung.

– 16 – Die aktuelle Krise verstärkt zudem eine oft generelle Globalisierungskritik. Zweifellos erhöht die starke Ab-hängigkeit von Weltmärkten und die Transnationalisierung von Lieferketten die Anfälligkeit für globale Kri-sen. Die vielfältige, nicht nur wirtschaftliche globale Vernetzung sollte vor allem in der Wirtschaft selbst An-lass sein, über kontrollierbarere Außenbeziehungen nachzudenken. Die Pandemie macht deutlich, dass nachhaltig globalisierte Verflechtungszusammenhänge bestehen, die durch gemeinsame, Nationalstaaten und Kontinente übergreifende, multilaterale Anstrengungen besser koordiniert werden sollten.

Auf nationaler und europäischer Ebene die Krise nachhaltig bewältigen Viel hängt davon ab, dass es gelingt, die Eindämmung der Pandemie und den Schutz der Gesundheit und des Lebens der Bürgerinnen und Bürger mit einer schrittweisen Wiederaufnahme wirtschaftlicher und ge-sellschaftlicher Aktivität zu verbinden. Die dargelegten hohen Kosten und Nebenkosten des „Shutdown“ implizieren, dass selbst extrem hohe Investitionen in die Bekämpfung der Pandemie und den Gesundheits-schutz wie etwa großflächige Tests und hoher Personaleinsatz im Gesundheitssystem lohnend sind und Un-terstützung verdienen.In der Phase der allmählichen Lockerung darf es nicht wieder zu einem raschen Anstieg der Infektionszah-len kommen. Die Mortalitätsrate hängt insbesondere von der Leistungsfähigkeit und der Spitzenbelastbar-keit des Gesundheitssystems ab. Es ist daher eine Gratwanderung zu leisten. Eine Reihe von konkreten Maßnahmen hat die Leopoldina in ihren beiden bisherigen Stellungnahmen skizziert. Zu den wirksamsten Maßnahmen gehören dabei das Tragen von Mund-Nasen-Schutz, flächendeckendes Testen, die Verwen-dung mobiler Daten und die Identifizierung der Infizierten sowie die Entwicklung von Therapien, die zusam-mengenommen das System so lange stabilisieren, bis ein wirksamer Impfstoff gefunden ist. Angesichts der tiefen Spuren, welche die Coronavirus-Krise hinterlassen wird, vor allem aber wegen dermindestens ebenso bedrohlichen Klima- und Biodiversitäts-Krise kann es nicht einfach eine Wiederherstel-lung des vorherigen Status geben. Nicht zuletzt gilt es, aus den Erfahrungen mit der Coronavirus-Pandemie und ihren Ursachen Lehren für die Zukunft zu ziehen. Die generelle Zunahme der Bevölkerung, Urbanisie-rung und globale Mobilität, die Vernichtung und Abnahme der Widerstandsfähigkeit von Ökosystemen durch Landnutzungsänderungen und der Klimawandel tragen wesentlich zum Ausbruch von Epidemien und Pandemien bei.Staatliche Maßnahmen, die nach dem Abklingen der Pandemie wirtschaftliche Tätigkeit wieder anstoßen, sollten daher die Kriterien der Nachhaltigkeit in den Vordergrund stellen. Mit einer nachhaltigen Ausrich-tung der jetzt getätigten Investitionen und Programme entstünde die Freiheit der Beteiligten, die notwendi-gen Änderungen auf eine den jeweiligen lokalen und zeitlichen Gegebenheiten angemessene Weise umzu-setzen, dringend nötige Technologieoffenheit beispielsweise bei der Energiewende herzustellen, regionale und globale Stoffkreisläufe zu schließen etc. Wird diese Chance vertan, so dürfte auf Grund der Größe der jetzigen Wirtschaftsprogramme ein später nötiges drastischeres Umsteuern extrem schwierig werden. Da-her liegt in der Wahrnehmung dieser historischen Chance eine kaum zu überschätzende Verantwortung der Handelnden. Notwendig ist dabei eine transparente Kostendiskussion, die auch die massiven externen Kos-ten von Klima-, Umwelt- und nicht zuletzt daraus resultierenden Gesundheitsschäden berücksichtigt. Konkret wird es zunächst darum gehen, wirtschaftliche Aktivitäten so anzustoßen, dass die in diesem Jahr unvermeidliche Rezession nicht zu stark ausfällt, die Wirtschaft wieder auf einen Wachstumspfad zurück-kehrt. Dieser sollte allerdings stärker als zuvor von Prinzipien der Nachhaltigkeit bestimmt sein, nicht zu-letzt, weil hierin enorme Potentiale für die wirtschaftliche Entwicklung liegen. Dies erfordert ein entschie-denes Handeln von Seiten der Wirtschaftspolitik. Aller Voraussicht nach werden jenseits der jetzt getroffe-nen Maßnahmen und trotz der im System angelegten automatischen Stabilisatoren (geringere Steuerein-nahmen, arbeitsmarktpolitische Maßnahmen) weitere konjunkturpolitische Maßnahmen erforderlich sein. Dazu gehören auf der Einnahmeseite steuerpolitische Instrumente, wie die Einführung von Verlustrückträ-gen und die Erleichterung von Verlustvorträgen für Unternehmen (Abschaffung der Mindestbesteuerung),

– 17 – ein temporärer Übergang zur degressiven Abschreibung und das Vorziehen der Teilentlastung beim Solida-ritätszuschlag. Die vollständige Abschaffung des Solidaritätszuschlags sollte erwogen werden. Auf der Aus-gabenseite liegen vor allem staatliche Investitionen sowie der Abbau klima- und umweltschädlicher Sub-ventionen auf der Hand. Dabei sollten strukturpolitische Zielsetzungen, etwa im Hinblick auf die öffentliche Daseinsvorsorge und den Schutz von Gemeinschaftsgütern speziell in den Bereichen Gesundheits-, Klima- und Ökosystemschutz,vorrangig berücksichtigt werden. Wirtschafts- und Finanzpolitik zur Stabilisierung nutzen

Nationale Wirtschafts- und Finanzpolitik: Kurzfristig: Während der derzeit geltenden gesundheitspolitischen Maßnahmen muss die Wirtschaftspolitik vor allem Hilfen zur Überbrückung der schwierigen Situation bereitstellen. Dazu gehören Kurzarbeit, um Massenarbeitslosigkeit mit ihren erheblichen negativen Konsequenzen zu verhindern, Liquiditätshilfen, Steuerstundungen und Zuschüsse, um Insolvenzen zu reduzieren. Staatliche Beteiligungen sollten nur im äußersten Notfall zur Stabilisierung von Unternehmen eingesetzt werden und ohne zusätzliche industriepo-litische Ziele auskommen, ggf. sollten sie eher als stille Beteiligungen ausgestaltet sein. Mittelfristig: Mit dem Auslaufen der jetzigen gesundheitspolitischen Maßnahmen werden weitere expan-sive fiskalpolitische Impulse notwendig sein. Auf der Einnahmeseite könnten dies Steuererleichterungen sein, das Vorziehen der Teilentlastung des Solidaritätszuschlags oder seine vollständige Abschaffung. Aufder Ausgabenseite sind neben vorhandenen Stabilisatoren, wie der Arbeitslosenversicherung, zusätzliche Mittel für öffentliche Investitionen, beispielsweise im Gesundheitswesen, der digitalen Infrastruktur und dem Klimaschutz, wichtig. Europäische Wirtschafts- und Finanzpolitik: Die Krise erfordert im höchsten Maße ein europäisch-solidarisches Handeln. Eine gemeinschaftliche Krisen-bekämpfung umfasst beispielsweise die Gewährleistung der Liquidität durch die Europäische Zentralbank (EZB), finanzielle Unterstützung aus dem EU-Haushalt und Programme der Europäischen Investitionsbank (EIB) sowie eine Kreditlinie mit auf die Pandemiefolgen fokussierter Konditionalität durch den Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM). Für das Exportland Deutschland ist ein starkes und geeintes Europa unver-zichtbar.

Weichen stellen für NachhaltigkeitAlle politischen Maßnahmen, die nicht der unmittelbaren Rettung von Unternehmen dienen, müssen sich auf nationaler wie internationaler Ebene an dem Prinzip der Nachhaltigkeit orientieren. Daher müssen die folgenden Maßnahmen, die auf einer breiten wissenschaftlichen Evidenz und einem breiten gesellschaftli-chen Konsens beruhen, weiterhin mit hoher Priorität umgesetzt werden. Der Aufbau einer klimafreundli-chen Wirtschaft und eine konsequente Mobilitäts- und Landwirtschaftswende setzen wesentliche Impulse für Innovation und Wachstum.Dazu gehören die umgehende Einführung eines Preises für fossiles CO2, die schnellstmögliche Verabschiedung und Umsetzung der nationalen Wasserstoffstrategie sowie die Neurege-lung des Strommarktes. Ziel muss ein starker europäischer „Green Deal“ bleiben.

An einer marktwirtschaftlichen Wirtschaftsordnung festhaltenDie in der Krise getroffenen wirtschaftspolitischen Maßnahmenmüssen sobald wie möglich zugunsten ei-nes nachhaltigen Wirtschaftens im Rahmen einer freiheitlichen Marktordnung rückgeführt oder angepasst werden. Dazu gehörender Rückzug des Staates aus Unternehmen, sofern krisenbedingt Beteiligungen stattfanden, und der Abbau der Staatsverschuldung. An der Schuldenbremse ist im Rahmen ihres derzeit geltenden Regelwerkes festzuhalten. Dies erlaubt, gerade in so besonderen Zeiten wie diesen, eine deutlich höhere Verschuldung, verlangt aber bei Rückkehr zur Normalität wieder deren Rückführung.

 

 

 

Mitglieder der Arbeitsgruppe•

Prof. Dr. Dirk Brockmann, Institut für Theoretische Biologie, Humboldt-Universität Berlin•Prof. Dr. Horst Dreier, Lehrstuhl für Rechtsphilosophie, Staats- und Verwaltungsrecht, Universität Würzburg•Prof. Dr. Lars Feld, Walter Eucken Institut und Universität Freiburg im Breisgau •Prof. Dr. Klaus Fiedler, Psychologisches Institut, Universität Heidelberg •Prof. Dr. Bärbel Friedrich, ehem. Vizepräsidentin der Leopoldina, Mikrobiologie, Humboldt-Universität Berlin•Prof. Dr. Clemens Fuest, Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München•Prof. Dr. Peter Gumbsch, Karlsruher Institut für Technologie und Fraunhofer-Institut für Werkstoffmechanik IWM, Freiburg •Prof. Dr. Marcus Hasselhorn, DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation, Frankfurt a.M.•Prof. Dr. Gerald Haug, Präsident der Leopoldina, Max-Planck-Institut für Chemie, Mainz•Prof. Dr. Jürgen Kocka, Friedrich-Meinecke-Institut, Freie Universität Berlin•Prof. Dr. Olaf Köller, Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften undMathematik, Kiel•Prof. Dr. Thomas Krieg, Vizepräsident der Leopoldina, Medizinische Fakultät, Universität Köln•Prof. Dr. Heyo Kroemer, Vorstandsvorsitzender der Charité Universitätsmedizin Berlin•Prof. Dr. Thomas Lengauer, Mitglied des Präsidiums der Leopoldina, Max-Planck-Institut für Informatik, Saarbrücken•Prof. Dr. Jürgen Margraf, Fakultät für Psychologie, Ruhr-Universität Bochum•Prof. Dr. Christoph Markschies, Theologische Fakultät, Humboldt-Universität Berlin•Prof. Dr. Wolfgang Marquardt, Vorstandsvorsitzender Forschungszentrum Jülich in der Helmholtz-Gemeinschaft•Prof. Dr. Karl Ulrich Mayer, Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, Berlin•Prof. Dr. Reinhard Merkel, Seminar für Rechtsphilosophie, Universität Hamburg•Prof. Dr. Thomas Mettenleiter, Präsident des Friedrich-Loeffler-Instituts, Greifswald-Insel Riems •Prof. Dr. Armin Nassehi, Institut für Soziologie, Ludwig-Maximilians-UniversitätMünchen•Prof. Dr. Manfred Prenzel, Zentrum für Lehrer*innenbildung, Universität Wien•Prof. Dr. Jürgen Renn, Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte, Berlin •Prof. Dr. Frank Rösler, Mitglied des Präsidiums der Leopoldina, Institut für Psychologie, Universität Hamburg•Prof. Dr. Robert Schlögl, Fritz-Haber-Institut der Max-Planck-Gesellschaft, Berlin•Prof. Dr. Claudia Wiesemann, Institut für Ethik und Geschichte der Medizin, Universitätsmedizin Göttingen

Redaktionsgruppe:•Dr. Christian Anton, Abteilung Wissenschaft-Politik-Gesellschaft der Leopoldina •PD Dr. Stefan Artmann, Leiter Präsidialbüro der Leopoldina•Dr. Johannes Fritsch, Präsidialbüro der Leopoldina •Dr. Marina Koch-Krumrei, Leiterin Abteilung Internationale Beziehungen der Leopoldina•Elmar König, Leiter Abteilung Wissenschaft-Politik-Gesellschaft der Leopoldina•Dr. Jan Nissen, Abteilung Internationale Beziehungen der Leopoldina •Dr. Stefanie Westermann, Abteilung Wissenschaft-Politik-Gesellschaft der Leopoldina•Caroline Wichmann, Leiterin Abteilung Presse-und Öffentlichkeit der Leopoldina

 

 

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