Was beim Betrachten der jährlichen Kar-Tage in den Blick kommen kann . . .

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Christen in aller Welt führen sich in den Tagen um Ostern Jahr für Jahr inspirativ vor Augen, mit wieviel Selbstverlassenheit Menschengruppen oft und oft auf das Joch antworten, unter dem sie jeweils ächzen. . .  Es versteht sich eben für die allermeisten nicht von selbst, auf Schwierigkeiten und Unterdrückungsansprüche selbstbewusst, aber ohne jede Hybris zu antworten und aufeinander hörend und antwortend ´Einbahnstraßen´ entschlossen zu umgehen bzw. sie zu unterlaufen. . .

Wo zuweilen das Warten auf einen Befreier trifft – wie einst für die in Ägypten versklavten Hebräer auf jenen Moses, der nach seiner Begegnung mit dem Gott seiner Väter im brennenden Dornbusch den Mut fasste, sich seinen Mitsklav/innen als von diesem Gott gestärkten Flucht-Anführer anzudienen, da vermag Kraft phasenweise anzustecken und Angst in Mut zu wandeln  –  freilich nur sekundär, nicht aus ringsum ihrerseits entzündet beflügelten Herzen. . .

So feierten die Nachkommen der damals erfolgreich zurück ins Land ihrer Väter Fliehenden rund ein Jahrtausend später (und deren Nachkommen tun es bis heute) auch während der Tage Jesu, des predigenden Zimmermannssohnes aus Nazareth, zwar Pessach, das Fest ´ihrer´ einstigen Befreiung aus Ägypten . . .,  –   aber eben als ein Fest denkbar  schwach wachgehaltener Sehnsucht, in dessen Vorfeld es zu mehr als einer kurzen Euphorie rund um den auf einem Esel nach Jerusalem einreitenden Prediger Jesus nicht reichte . . .

Als dann nichts diese Euphorie belohnte, der Eselsreiter (> Esel/Doku) gar in der Gefangenschaft der römischen Besatzungsmacht landete, dominierte die Selbstverlassenheit in den Herzen derer, die diesem Prediger zu folgen versucht hatten, erneut:   sie hatten weder für ihn, noch für sich selbst irgendeinen Halt . . .  –  Ihr Leben schmeckte nur einmal mehr zutiefst bitter. . .  –  Also sollte er ruhig ans Kreuz !

kar

 

Die Selbstgewissheit dieses Jesus freilich, der den Weg durch Leid, tiefste Einsamkeit  und Kreuzestod nur zu gern vermieden hätte, schwand nicht über seiner Angst  –  diese Selbstgewissheit wurzelte in jenem väterlichen Wohlgefallen, in dem er sich wie die gesamte Schöpfung aufgehoben wusste und von dem er seiner Umgebung in jeder seiner Predigten und in den Mahlgemeinschaften auf seinen Wegstationen gekündet hatte – in jenem allumfassenden göttlichen Wohlgefallen, das er hatte fühlbar werden lassen, wo immer er Kranke heilend neu mit ihren Kräften verband:  „Dein Glaube hat dir geholfen!“

 

Dieses Wohlgefallen nützte ihm zwar ebenso sichtlich wie erwartbar nichts gegen die dumpfe Ängstlichkeit der nach blutigen Entlastungsaktionen gierenden Massen Jerusalems, der in ihren Denkschablonen feststeckenden jüdischen Priesterschaften oder dem Händewaschen des beflissen zwischen allen lavierenden römischen Statthalters Pilatus mit seiner Entscheidungspflicht, Jesu Strafmaß betreffend. . .

Denn Göttliches will keine Macht über Menschen. Aber aus ihm quillt ihnen Kraft, Mut, Steh- und Liebesvermögen, wann immer sie sich mit ihm verbinden . . .  –  so die Botschaft dieses Predigerlebens. . .

 

Entsprechend finden alle, die Geschehnisse wie diejenigen um Jesu letzte Tage genauer zu betrachten suchen, hier eine ganze Menge von dem gespiegelt, was Menschen zu allen Zeiten in angstvollem Erzittern steckenbleiben lässt . . .

Wie wenig es gleichwohl bei zaghaftem bis zornigem Erzittern sein Bewenden haben muss, das halten die Evangelien im Anschluss menschlicher Mutlosigkeit, Wut und Verzweiflung entgegen:

Im Gang durch den Tod werde entgegen jeder Befürchtung antreffbar, wofür jeder Tod die alten Sensorien erlöschen ließ:  dieser Jesus erfährt aus Tod und Grab heraus eine verklärte Aufgehobenheit in einem Sein gänzlich ureigener Herrlichkeit – so vermittelt er es u.a. zweien seiner Jünger auf ihrem Weg von Jerusalem nach Emmaus:  „Musste nicht der Messias all dies erleiden, um so in seine Herrlichkeit einzugehen?“ . . .   ohne Zorn oder Bitterkeit, ohne strafbewehrte Weltneuordnungs-Ansprüche oder -Vorgaben, zwangfrei das Mögliche bezeugend, das nichts als einfachen Angenommen-Werdens bedarf . . .

–  Also spüren die Beiden wie kaum etwas sonst in ihrem Leben die neue Erfahrbarkeit ihres hingerichteten Freundes:  „Brannte nicht das Herz in uns, wie er unterwegs mit uns redete und uns die Schrift erschloß?“

 

Niemand muss glauben, was hier als unmittelbar erlebt behauptet ist  –  aber jede/r kann wissen, dass wir der Halbwahrheiten und angst-offenen Wirksamkeits-Entäußerungen nicht mehr bedürfen, wenn wir beginnen, auf uns selbst zu vertrauen in unserer Erspürungsfähigkeit für unsere ureigenen Kräfte in ihrer je einmaligen Strahlkraft:  wir sind da, weil Begabungen in uns stecken, von denen diese Welt ihre Möglichkeiten bezieht. . .  Enthalten wir sie ihr nicht vor . . .   !

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ds

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Dorothee Sölle 1929-2003

 

über auferstehung

Sie fragen mich nach der auferstehung
sicher sicher gehört hab ich davon
daß ein mensch dem tod nicht mehr entgegenrast
daß der tod hinter einem sein kann
weil vor einem die liebe ist
daß die angst hinter einem sein kann
die angst verlassen zu bleiben
weil man selber – gehört hab ich davon
so ganz wird daß nichts da ist
das fortgehen könnte für immer

Ach fragt nicht nach der auferstehung
ein märchen aus uralten zeiten
das kommt dir schnell aus dem sinn
ich höre denen zu
die mich austrocknen und kleinmachen
ich richte mich ein
auf die langsame gewöhnung ans totsein
in der geheizten wohnung
den großen stein vor der tür

Ach frag du mich nach der auferstehung
ach hör nicht auf mich zu fragen

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kirche2

                                                     gw/  Geistdurchwehte Wege

 

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